22.01.2025 - Ohne Eiswind

Mit wesentlich mehr Schlaf intus, knapp 5h, wachte ich 00:59 Uhr noch vor dem Wecker auf und schwebte aus dem Bett. Der erste Blick aus dem Fenster machte keinen allzu guten Eindruck; die Transparenz schien schlechter als in der Vornacht. Mit -9°C war es auch ähnlich frisch, aber diesmal fiel ich nicht auf das Hausthermometer rein, sondern zog mich gleich adäquat an. Als ich gegen halb 2 dann loslegen konnte, hielt sich die Motivation eher in Grenzen, da der bodennahe Dunst tatsächlich stärker war und das Streulicht weit höher ging. Seeing sah ebenfalls mau aus. Immerhin: Windstill. Der 8x50-Sucher ließ sich noch immer nicht korrekt einstellen, aber zumindest konnte ich den Papierfetzen so geschickt einkeilen, dass der Zielstern etwas näher zur Mitte des Fadenkreuzes stand. Man muss nur den richtigen Winkel für den improvisierten Keil treffen, das ist die hohe Kunst! Ich fürchte nur, aus dem Notbehelf wird mal wieder eine Dauerlösung werden.


NGC 3642: Schon in der Übersicht knapp sichtbar. Ein blasser, runder Tupfen, zur Mitte hin heller und mit stellaren Kern. 197x: Kern zeigt sich nochmals deutlicher. Der zweite Helligkeitspeak, den ich erhofft habe, blieb nicht ganz eindeutig. Bei 370x ändert sich das, denn meine Tendenz bestätigt sich: Westlich taucht wiederholt das Vordergrundsternchen auf, das innerhalb der Galaxie liegt. Er steht außerhalb vom hellen und sehr dominanten Kernbereich, aber noch innerhalb des schwachen inneren Halos. Vom Rest der ausgesprochen weitläufigen Spiralstruktur seh ich natürlich gar nichts. Den habe ich allerdings noch nicht mal auf dem DSS-Papier richtig erkannt.

NGC 3690: Eigentlich wollte ich erstmal woanders hin, stolperte aber über dieses helle Bündel, was ohnehin auch auf dem Zettel stand. Schon in der Übersicht nicht zu übersehen, dieser auffällige Klumpen. 197x: Wow! Ohne Probleme lässt sich die Zweiteilung des Pärchens erkennen. Beide Kernbereiche stehen isoliert voneinander, bleiben aber von einem gemeinsamen Glow umhüllt. Der westliche Tanzpartner ist deutlich heller, da der Zentralbereich so dominant ist. Die östliche Galaxie ist "querliegend" zur anderen, wirkt mitunter eher wie eine Art Anhängsel. Anblick bei 370x sehr lohnend, auch wenn das Seeing die Sache leider schon deutlich limitiert.

NGC 3669: Dort wollte ich eigentlich hin. Unbequeme, lange Suche; das Teil steht irgendwie total bescheuert. Nur durch Positionskenntnis bei 123x zu erkennen. Schwacher, langgestreckter Hauch. Besser bei 197x: Zwar weiterhin blass, aber nach ein bisschen "Einsehen" macht die Galaxie einen besseren, klareren Eindruck. Undefinierbar unruhig. Der mittlere Bereich scheint mir nicht unbedingt heller zu sein als die Spitzen. Eher wirkt es, als sei die Helligkeit in die Südhälfte verschoben, dort wirkt die Spitze wulstiger. 370x ist zu viel. Die Galaxie verschwindet halb im Hintergrund und ein Detailgewinn ist nicht vorhanden; ganz im Gegenteil. 

Um halb 3 machte ich eine kurze Pause, um den tiefgefrorenen Händen wieder Leben einzuhauchen. Irgendwie kann ich anziehen, was ich will; die Wärme schafft es nicht durch die Handgelenke. Zum Glück war kein Wind. Wie hoch der Dunst streute, erkannte man gut an Autos, die in einiger Entfernung vorbeifuhren und die Lichtglocke ihrer Scheinwerfer wie einen riesengroßen Turm vor sich herschoben. Das sieht sonst normalerweise nicht so aus. 


NGC 3656: Bei 197x klebt ein runder Batzen östlich an einem Feldstern dran. Mich belustigte, dass gerade alles genau waagerecht von links nach rechts durchs Okular lief, sodass die Galaxie dem Stern regelrecht hinterherrannte, hihi. Rund-oval, homogen, kein Kern, keine diffusen, sondern recht klare Grenzen. Sehr flächenhell im Inneren. Ansonsten keine Details. Nicht zu sehen von den spannenden Strukturen und Staubnuancen und dem auswurfartigen Dings im Süden.


NGC 3945: Eine helle Galaxie nördlich eines Feldsterns. Rund; sehr kräftiger, stellarer Kern. Bei 370x ist der Kernbereich leicht oval verzogen, nicht rund, und bleibt von einem kugeligen Glow umhüllt. Die Helligkeitsnuancen östlich und westlich im Halo sind nicht zu erkennen.

NGC 3762: Die Labels im DSA sind so blöd angeordnet, dass ich das Objekt mit NGC 3745 verwechselte, und sogar den falschen DSS-Ausdruck angefertigt hatte. Da kam ich mit dem Suchen total durcheinander; hatte die 3762 bereits mittig im Okular und wusste es gar nicht in dem Glauben, ich wäre völlig verkehrt. Irgendwann fiel der Groschen. Bei 197: Länglich-spitze Spindel, „mittelhell“, wird kräftiger zum Zentrum. Die Enden laufen bei indirektem Sehen weit aus. Steht in auffallend sternarmer Umgebung. Höhere Vergrößerungen brachten keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Ich hätte gern die Sichtung des Sternchens am West-Rand vermeldet, aber da blieb ich erfolglos.

Die Hände waren tot und jegliche Wärme-Einlagen brachten keine nachhaltige Besserung. Um ¾ 4 machte ich mich wieder vom Acker und konnte unterwegs, bei weiteren Blicken in die Umgebung, erkennen, wie der eiskalte Dunst über dem Boden hing und die normalerweise sichtbaren Landschaftsstrukturen einpuderte. Eigentlich würde ich bei solchen Bedingungen nicht vor die Tür gehen, aber mit entsprechender Vorbereitung kriegt man ja trotzdem noch was halbwegs, naja, Sinnvolles zusammen.