27.12.2025 - Im Eiswind

Der Weihnachtsspuk war zum Glück vorüber, ich von den schlimmsten Pflichten entbunden und ein klarer Himmel kündigte sich an. Frühestmöglich ins Bett, bisschen schlafen (Mond musste ja eh erst untergehen) und dann dem Ruf des Weckers folgen, der auf 01:44 Uhr stand. Der Schlaf selber, mitsamt aller Träume, war katastrophal, aber die Vorfreude trieb mich pünktlich aus den Federn. Draußen: Klar, windstill, gutes Seeing und mit -9°C arschkalt. Schien horizontnah ein bisschen diesig, aber die Transparenz machte einen ganz okayen Eindruck, trotz allgemeiner Weihnachtsbeleuchtung und Luftfeuchte. Kurzer Atlas-Check, es ging in den Löwen.


NGC 3088: Nur durch exakte Positionskenntnis; lässt sich erst bei höherer Vergrößerung erkennen. In der Übersicht überhaupt nicht zu sehen; bei 128x nur ein unscheinbarer, schwacher Tupf. 200x: Viel deutlicher. Knotenartiger Ball mit hellem Zentrum, unruhig, Hinweis auf Zweiteilung? Eine der beiden Galaxien war klar, aber wo die andere liegt, war nicht ganz definierbar. Ich hatte eine Tendenz; die bestätigte sich bei 370x. Ein zweiter Tupfen, tatsächlich sogar länglich?, neben dem ersten blinkte schüchtern heraus, in Richtung der hellen Feldsterne im Osten.

NGC 3391: Leicht zu finden, einfacher geht es gar nicht wegen der bequemen Lage bei 52 Leo. Nette Sternchen in der unmittelbaren Umgebung, und ein Stern scheint an/in? der Galaxie zu stehen. Kompakte Kuller, flächenhell. Bei 370x bestätigte sich der Eindruck. Der helle Vordergrundstern klebt direkt nordöstlich an der Galaxie; der zweite westlich, der wollte leider nicht so richtig und blieb - wenn überhaupt - nur andeutungsweise.

NGC 3338: Auch ganz leicht zu finden wegen des benachbarten 9mag-Sterns. Sofort zeigte sich ein oval-langgezogener Nebel, diffus mit sanften Außengrenzen. Das Zentrum war nur mäßig hell; ebenfalls länglich oder balkenartig. Nach längerem Sehen wirkte der direkte zentrale Bereich rund und der Kern schien schwach und stellar.

03:18 Uhr, arschkalt, die dicke Jacke geriet an ihre Grenzen. Denn es frischte ein bissiger, eisiger Wind auf, der meine Hände mit Gefrierbrand überzog und dicke Tränen in die Augen trieb. Alles war schön ruhig. Blöderweise fiel mir während der Optimierung meines Daunengewandes ein mittelgroßes Handstück von zunächst unbekannter Natur herunter auf den Boden. Ein unheilvolles Klirren deutete akustisch auf Glasbruch hin – dezent kam Panik auf. Bei der Suche nach der Handlampe tastete ich ins Leere, also war klar, dass es die Lampe höchstpersönlich war, die dem Weg der Schwerkraft folgte und den Falltest nicht bestanden hat. Zum Glück tat sie aber weiterhin noch das, was sie tun sollte – leuchten –, wenn auch nun mit einem polyphonen Klimpern, Klappern und Klingeln im Inneren.


M 105 & Co: Kein Gequatsche, nur Bild. Ich gebe zu, es gibt schönere Ziele. Gefallen tuts mir auch nicht. Naja.

Immer wieder mal stellte ich im Okular Vergleiche zwischen dem guten, linken Auge und dem kranken rechten Auge an. Mit dem rechten konnte ich noch nie viel anfangen, die Abschattung im Gesichtsfeld macht sich aber schon bemerkbar, wenn man ganz bewusst drauf achtet. Das wird leider nicht mehr besser, aber was solls, gibt Schlimmeres. Die Hände fühlten sich wie verbrannt an. Der Wind arbeitete sich mühelos durch die Handschuhe hindurch und überzog die Haut mit Eis. -9°C fühlten sich an wie -50 oder so. Ich versuchte, sie an Kaffee Nr. 2 zu wärmen (aua), während ich Vega und Deneb tief über dem Nordhorizont entlangkratzen sah.


IC 648: Gemäß DSA handelt es sich um zwei Galaxien, IC 648-1 und -2. Warum, das ist mir unklar – wahrscheinlich wurde anfangs das nahe Sternchen als Begleitgalaxie o.ä. interpretiert? Ausgerechnet dieser DSS-Ausdruck war nicht im Gepäck, und so suchte ich verzweifelt nach zwei engen Flecken. Sah aber, mit Ach und Krach, nur einen sehr schwachen, rundgestalten Tupfen südwestlich neben diesem Sternchen.

NGC 3596: In der Übersicht easy und gut findbar, sofort zu sehen. Bei 200x: Rund, diffuse Grenzen, Kern ist schwach, stellar und geht stufenlos in den zunächst homogen wirkenden Halo über. Der scheint unruhig, aber was es ist, was da unruhig wirkt, lässt sich nicht fassen. Eine Art Verdickung abseits des Zentrums; die Spiralstruktur wird damit aber auch im Ansatz nicht erschlossen.

Es war halb 5 und ich spürte die Hände nicht mehr; der bissige Wind hatte sie gefressen. Bemühungen, sie wieder mit bisschen Wärme zu versorgen, wurden mit kreischenden Schmerzen belohnt. Ich versuchte, mein Zeug einzupacken, was mit behinderter Grobmotorik fast unmöglich war, und kehrte heim.