13.10.2026 - Mir fällt kein Titel ein. Vielleicht "Der fiese Walnussbaum"

Ganz leicht fällt es mir in letzter Zeit nicht, den astronomischen Hintern hochzukriegen und meine Gerätschaft zu aktivieren. Neben einigen kardiologischen Unstimmigkeiten, die mich seit Monaten begleiten, schleppe ich seit einem Jahr ein Glaukom auf dem rechten Auge herum, das mich zwar nicht weiter beeinträchtigt, aber dennoch nervt. Und als ich nun an diesem Montagmorgen zur vierteljährlichen Routinekontrolle bei meiner Augenärztin war, stellte sich heraus, dass nun auch mein linkes Auge vom erhöhten Innendruck betroffen ist. Auch nur leicht, und man kann schnell gegensteuern, aber… Na herrlich. Mein gutes Astro-Auge. Mental ist das nicht so easy zu akzeptieren, ganz im Gegenteil. Es kotzt mich an und ich bin sauer. Aber so richtig.

Trotzdem: Ist noch lange kein Grund, jetzt in Smart-Teleskope zu investieren, denn meine wunderbaren Sinneseindrücke (und mögen sie vielleicht auch irgendwann in ferner Zukunft leise dahinschwinden) will ich nicht an elektronische Monitore, scheiß KI-Filter und diese kleinen, dreibeinigen Kisten auslagern. So ein Schwachsinn. Hier wird knallhart durchgezogen.


Wenn der Wecker um 00:43 Uhr klingelt, geht ohne die nötige Motivation aber auch nicht viel. Eine halbe Stunde später war ich beobachtungsbereit und stand unter dem klaren Nachthimmel rum, Kaffee in der Hand und kurz die Lage checken. Es war absolut windstill, koid (2°C als Tiefstwert) und leider auch feucht, was man nicht nur an dem hoch aufragenden Horizontdunst erkennen konnte, sondern auch an den rekordverdächtig schnell beschlagenen Flächen. 


- Arp 331, besser bekannt als Pisces Chain. Bevor das Grüppchen auf Nimmerwiedersehen im Baum verschwindet und erneut bis zum nächsten Herbst auf Erledigung wartet, gehe ich schnell drauf. Die Kette ist größer als ich erwartet habe; beim Zeichnen verschätze ich mich, weil ich mich zunächst auf den nördlichen (dominanteren) Bereich konzentriere und die südlichen Mitglieder übersehe. Aus einer Zeichnung werden dann zwei, die miteinander verheiratet werden wollen… Sowas liebe ich ja in der Aufbereitung hinterher. NGC 379, 380 und das Duo 382/382 sind auffällig, strukturlos und unterschiedlich gerundet. Bei 200x waren 382 und 383 noch verschmolzen; bei 370x dann problemlos getrennt voneinander, wobei 383 größer erschien. Die südlichen Galaxien NGC 384 und 385 zeigten sich neben einem Sternpaar, welches als guter Ankerpunkt für die Orientierung dient. Zwischen 383 und 385 schält sich die kompakte Knolle von NGC 386 heraus; die 387 sah ich nicht. 375 östlich der Nord-Süd-verlaufenden Kette war noch auszumachen, ebenso 388 westlich davon.

Ich mache gerade Ausflüge in die faszinierende Welt des Scannens und weiß selber noch nicht, wie ich die Resultate finde, bzw. was bei herauskommt, wenn mein Website-Hoster die Grafik durch die interne Kompression mangelt.

Es dauerte nicht lange, da war der Fangspiegel beschlagen, und auch meine Ablage war mit einem dünnen, nassen Film und zahlreichen Tautropfen benetzt. Das ging schneller als mir lieb war. Das Geräusch polternder Nüsse, die vom nahegelegenen Walnussbaum ins Bachbett fielen, vermischten sich mit dem Knabbern oder Schnüffeln eines Kleinsäugetiers. Ich vermutete einen Igel, aber die sind eigentlich lauter. Egal. Nach Maßnahmen zur Befreiung der optischen Fläche am Hut gings weiter.


- Struve 509, ein Doppelstern, den ich bloß zum Aufsuchen, äh, aufgesucht habe. Aber der war nett. Helle Nachbarsterne nebenbei. Hauptkomponente A ist blau und B orangerot; bei niedrigen Vergrößerungen ist der Farbeindruck intensiver. Auch die Nachbarsterne zeigten sich in dezentem Farbkleid (goldgelb, weißblau). Überraschend war das Auftauchen eines zweiten Begleiters nördlich neben dem Doppel; deutlich schwächer und eng an A dran. Ein Dreifachsystem, cool!

- NGC 1569: Mit der Notiz "irr" im Atlas versehen; einen Ausdruck hatte ich nicht eingesteckt, daher fand ich diese Notiz erstmal kryptisch. Egal. Schon in der Übersicht leuchtete der Nebel hell und länglich aus dem sternreichen Umfeld heraus. Bei 370x zeigte sich die Galaxie weiterhin kräftig. Scharf abgegrenzt, langgestreckt, asymmetrisch. Der Kernbereich war deutlich in die Westspitze verschoben, während das östliche Ende etwas schwächer und zugespitzt auslief. Wie ein Tropfen, oder gar wie ein klischeehafter Komet mit langem Schweif. Es blinkte stellar-knotig aus dem Kernbereich heraus. Nach genauerer Beobachtung kristallisierten sich drei isolierte "Kerne" heraus, drei nebeneinander, wobei der mittlere am größten war und der westliche eher breitgeschmiert und nicht stellar erschien. Bei indirektem Sehen ließen sie sich gut verorten; der hellste blieb der Netzhaut auch bei direktem Sehen erhalten. Megacool! Tolles Objekt.

Gab kurze Pause mit gefüllter Kaffeetasse. Der Fangspiegel beschlug erneut. Typisch Herbst. Ich latschte umher, rutschte auf den überall herumliegenden Walnüssen aus und schaute, welche Perspektiven sich ergaben, wenn sich die Bäume im Vordergrund bewegten – plötzlich war der helle Sirius zu sehen und auch Jupiter im Osten hatte sich über den Horizont gestohlen. Kalt. In UMa waren immer wieder mal schwächere Sternschnuppen zu sehen, aber zwei Lichtpunkte erregten meine Aufmerksamkeit. Sie waren im Kasten des Großen Wagen aufgetaucht, standen eng beieinander und bewegten sich gemeinsam im gleichbleibenden Abstand nach rechts. Sie wurden gemächlich heller und verblassten, je weiter sie sich vom Kasten wegbewegten und gen Horizont zogen. Ich sah eine Weile zu, wunderte mich (ok, bei dem ganzen Schrott, der massenhaft da hochgeschickt wird, wunderts mich eigentlich nicht) und als sie nicht mehr auszumachen waren, gings weiter.


- Struve 389, nochn Doppelstern. Da sind einige Mehrfachsysteme in dem unmittelbaren Umfeld, aber der ist der interessanteste, fand ich. Enges Duo. Beide kleben fast aneinander, aber Seeing + Vergrößerung retten die Lücke dazwischen. B ist deutlich schwächer als A. Gut als einzelner Stern erkennbar (und nicht als blobartiger Auswuchs des Lichthalos von A), aber wegen der Distanz und des starken Helligkeitsgefälles wirkt der Doppelstern enger, als er wahrscheinlich ist. Cool! Beide farblos weiß, naja, man kann nicht alles haben.


- IC 289. Eine leicht zu erkennende ovale Scheibe. Bei 200x wirkte sie gut abgegrenzt, aber 370x war zu viel des Guten – die Ränder fransten aus und diffundierten in den dunklen Hintergrund. Wirkte homogen. Einsatz vom [OIII] brachte nicht wirklich was. Nach Westen wirkte die Scheibe leicht heller, während das Innere abfiel. Kein Zentralstern. Hab ich mir mehr von versprochen.

Zum Schluss war der Fangspiegel wieder milchig belegt. Jo. Herbst ist. Die Verlockung, nochmal eine süße Stunde Schlaf abzufassen, bevor der Alltag über einen hereinbricht, ließ mich gegen Viere abbauen und in die irdische Zivilisation zurückkehren.